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HOMMAGE À GERARD MORTIER

Mortier Award 2014

Posthume Ehrung für Gerard Mortier wurde am 31. Mai in Graz seinem Weggefährten  Sylvain Cambreling überreicht

 

 Die Zeitschrift Opernwelt und der Ring Award (Internationaler Wettbewerb für Regie und Bühnengestaltung) haben gemeinsam einen neuen Preis für Musiktheater ins Leben gerufen – den Mortier Award. Benannt ist die Auszeichnung nach dem am 9. März 2014 im Alter von 70 Jahren verstorbenen belgischen Opern- und Festival-Intendanten Gerard Mortier. Dem Namensgeber, der zugleich der erste Preisträger ist, wurde die Ehrung posthum zuteil.

 

Die Verleihung des ersten Mortier Award fand am 31. Mai 2014 im Rahmen des siebten „Ring Award“-Finales in Graz statt. Die Laudatio hielt Regisseur und Oscar-Preisträger Michael Haneke. Der Dirigent Sylvain Cambreling, langjähriger Weggefährte und enger Vertrauter Mortiers, nahm eine für den Mortier Award geschaffene Skulptur des Berliner Bildhauers und Bühnenbildners Alexander Polzin entgegen, der zuletzt am Teatro Real Madrid – veranlasst noch unter der Leitung Mortiers – das Bühnenbild für „Lohengrin“ schuf. Die Skulptur zeigt Sisyphus mit seinem Felsen.

Für Alexander Polzin war Gerard Mortier „ein lachender Sisyphus“, der ihn immer wieder ermutigte, den Stein wieder aufzunehmen und den Gipfel hinaufzurollen. „Das schloss stets die Möglichkeit des Scheiterns ein und gab einem trotzdem das Gefühl einer kreativen Geborgenheit“, so Polzin. „Ich bewunderte Gerard Mortiers magische Fähigkeit, nach zwei Blicken auf ein Bühnenmodell sofort die ungelösten offenen Fragen des Entwurfs benennen zu können. Dieses herausfordernde Gegenüber, dieser antreibende Gesprächspartner erscheint mir unersetzlich. Es ist mir eine tiefe emotionale Ehre, dass ich die Sisyphus-Skulptur für den Mortier Award gestalten durfte.“

Mit dem Mortier Award sollen die Anregungen und Impulse eines Vordenkers und Wegbereiters gewürdigt werden, für den Musiktheater ein kostbarer menschlicher Kosmos war und zugleich eine vitale Kunstform, die um Grundfragen der menschlichen Existenz kreist. Der Glaube an die Modernität der Oper hat das Denken und Handeln von Gerard Mortier immer beflügelt – und die Musiktheaterlandschaft nachhaltig befruchtet. Klug durchdachte Spielpläne, ungewöhnliche Besetzungen, wegweisende Deutungen des Kanons, die Schaffung origineller Produktionsteams und die Erschließung neuer Bühnen-Räume – das ist die Bilanz einer Lebensleistung, die in die Zukunft weist.

Der Mortier Award zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich exemplarisch um ein Musiktheater auf der Höhe der Zeit bemühen, ein Musiktheater, so die Statuten, „das seine mehr als vierhundertjährige Geschichte als Quelle existentieller Erfahrung begreift und befragt. Ein Musiktheater, das in die Zukunft schaut. Ein Musiktheater, das sich ,politisch’ positioniert, als Forum von Gesellschaft und Gemeinschaft. Es geht nicht um die Förderung einer bestimmten Ästhetik, künstlerischen Praxis oder Berufsgruppe, sondern um die Ermutigung einer Haltung, die das Unmögliche möglich macht. Eines intellektuellen Ethos, das nach dem Woher, Wo, Wohin und vor allem nach dem Warum der Kunstform ,Oper’ fragt. In diesem Sinne ist der Preis auch ein Plädoyer für die permanente Erneuerung des Betriebs und seiner Institutionen. Eine Ermunterung, der Oper jene Ohren und Augen öffnende Zeitgenossenschaft zurückzugeben, die sie im 20. Jahrhundert weitgehend verloren hat. Eine Erinnerung daran, dass künstlerische Innovation Risiko und Anstrengung bedeutet.“

Der Mortier Award wird alle zwei Jahre verliehen. Er ist beim ersten Mal nicht dotiert. Mit der Auszeichnung verbindet sich das Recht, die nächste Preisträgerin bzw. den nächsten Preisträger vorzuschlagen – in enger Abstimmung mit den Initiatoren. Musiktheater, das sich auf der Höhe der Zeit bewegt, ist per definitionem dynamisch, prozesshaft. Deshalb soll das inhaltliche und geistige Profil des Preises auch bei jeder Vergabe gemeinsam fortgeschrieben werden.

Gerard Mortier war der einflussreichste Opern- und Festivalintendant Europas. Nach Anfängen in Belgien und Lehrjahren in Deutschland leitete der studierte Jurist während der 1980er Jahre die Brüsseler Oper La Monnaie, in den Neunzigern modernisierte er die Salzburger Sommerfestspiele. Anschließend war er Gründungsintendant der Ruhrtriennale (2002-2004), danach wechselte er an die Opéra national de Paris. Zuletzt war Gerard Mortier Intendant des Teatro Real in Madrid (2010-2013).

Die Zeitschrift Opernwelt berichtet seit 1960 über die internationale Opernszene. Der Ring Award wird seit 1997 in Graz veranstaltet.

Weitere Informationen unter: www.kultiversum.de/opernwelt  

Aktuelle Fotos unter:  atelier9.at/ringaward

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